Die Feste im Jahreskreislauf:

Fasching:

Der Faschingskasperl begleitet die Faschingszeit mit Geschichten seiner Heldentaten, mit Streichen und Späßen. Dieser Kasperl - in Form einer kleinen, frechen Fingerpuppe -, der ständig parat ist und alles kommentieren muß, hat nur Flausen im Kopf und benimmt sich manchmal so richtig daneben. Außerdem ernährt er sich nur von Süßigkeiten und findet Zähneputzen absolut scheußlich. Dieser freche, kleine Kerl erobert die Kinderherzen im Nu – und muß ständig dazwischen plappern...

 

Die Kinder basteln Masken (deren Motiv sie sich selbst aussuchen) aus Pappmache.

Das Winteraustreiben im Wald wird als kleiner Umzug, kostümiert, mit geschminkten Gesichtern und den Masken, Krach und Krawall und einem Faschingslied gefeiert. Anschließend gibt es ein richtig zünftiges Faschingsbüfett im Bauwagen. Auch die Eltern sind zu diesem Fest eingeladen.

Ostern:

Zeitig vor Ostern wird im Bauwagen in Tonschalen das Ostergras ausgesät. Zum Osterfest hin werden dann kleine Basteleien mit den Kindern angefertigt. Das sind z. B. Häschen aus Märchenwolle und Blumen aus Tonpapier und Stöcken.

Auch Eier werden auf dem Kanonenofen im Bauwagen gekocht und anschließend von den Kindern gefärbt.

Zweieinhalb Wochen vor Ostern finde ich mittags gelbe Eireste in Lukas Brotzeitdose. Ich frage ihn, ob ihm jemand ein Ei abgegeben hätte. „Nein, die Ute hat mir Rühreier gemacht.“, „Warum das denn? Hattest du nicht genug zu essen dabei?“, „Doch, wir haben alle Rührei bekommen“. Dann fiel mir das bevorstehende Osterfest ein und nach mehrmaligem Nachfragen kam heraus, daß Eier zum Basteln aufgeschlagen worden waren.

Geschichten werden erzählt, einerseits über Ostara (eine alte Frühlingsgöttin und das neue Leben in der Natur), andererseits über Christus, mit dem Schwerpunkt auf Lebendigkeit, Liebe und Licht.

Auch auf die Frühlingstag- und -nachtgleiche am 21. März wird in Form von Erzählungen eingegangen.

Sonnenwende:

Die Sommersonnenwende am 21. Juni findet als gemeinsames Fest mit Kindern, Eltern und Betreuern an einem kleinen See (Vöttinger Weiher) statt.

Als Vorbereitung auf das Fest lernen die Kinder Indianerlieder zu den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Jedes Kind sucht sich „sein“ Element anhand von Bildern aus und die Sonnwendgeschichte wird erzählt.

Der Feuerstoß wird von jedem, der mag, mit Symbolen der vier Elemente umgeben.

Während des Festes sind die Kinder als jeweils „ihr“ Element verkleidet und geschminkt und treten mit einer Fackel in den Kreis zum Feuerstoß.

Gemeinsam wird das große Sonnwendfeuer entzündet, um welches dann ein Kreistanz gemeinsam mit den Eltern stattfindet. Ist das Feuer niedriger geworden, darf jedes Kind mit seinen Eltern den Feuersprung wagen. Dem Feuer als Verwandlungselement können hierbei Sorgen oder Wünsche während des Sprunges (verbal, in Gedanken oder mit Zetteln) übergeben werden. Vor dem anschließenden gemütlichen Beisammensein mit Essen und Trinken wird das Sonnwendbrot geteilt und an alle verteilt.

Erntedankfest:

Zum Erntedankfest wird den Kindern die dazugehörende Entstehungsgeschichte erzählt. Auch wird in Verbindung mit diesem Fest der Hintergrund zur Herbsttag- und -nachtgleiche am 21. September erklärt.

Zuordnungsspiele, bei welchen die Kinder die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten kosten, gehören ebenso zu dieser Zeit, wie jahreszeitlich passende Rätsel und Geschichten.

Ein Spiel z. B. läßt den Kindern deutlich werden, welche Frucht an welchem Ort wächst. Man kann es benennen mit: „Was wächst unter, dicht auf und weit über der Erde“ (in Anlehnung an das altbekannte Kinderspiel „Es fliegt, es fliegt...“). Die Kinder bekommen eine braune Decke auf die Knie gelegt, welche die Erde darstellen soll. Nun werden verschiedene Gemüse und Früchte genannt. Je nachdem, wo diese Frucht wächst, werden die Hände auf ein Zeichen hin unter, auf oder über die Decke gehalten.

Zum jahreszeitlichen Basteln gehört der Erntekranz, der mit den Kindern gebunden wird.

Beim gemeinsam mit den Eltern gefeierten Erntedankfest wird der Kranz dann aufgestellt und mitgebrachtes Obst, Gemüse und Brot werden um ihn herum gelegt. Anschließend wird mit den Kindern im Kreis getanzt und gesungen. Es wird gebetet und dann in gemütlicher Runde gegessen. Auch zu diesem Fest wird das eigens gebackene Erntedankbrot an alle verteilt.

St. Martin / Laternenfest:

In Vorbereitung auf dieses Fest hören die Kinder die Geschichte vom Sankt Martin und lernen Lieder dazu. Auch werden nun die Laternen gebastelt.

Zum Laternenfest treffen sich Eltern und Kinder im Wald an einem vereinbarten Ort, und wenn das Licht zurückgegangen ist, werden in großer Stille die Laternen angezündet. (Wir Eltern können diese jetzt gebührend bewundern, da wir sie vorher nicht zu Gesicht bekamen.)

Der anschließende Laternenumzug mit den entsprechenden Liedern endet am Bauwagen, wo am Lagerfeuer die Geschichte vom Sankt Martin erzählt wird. Nachdem noch einmal gemeinsam das Martinslied gesungen wurde, teilen alle ihre mitgebrachten Leckereien aus, um diese zu verzehren.

Einige Zeit nach dem Martinsfest schauten meine Kinder und ich einem Angler an einem See zu, wie er etliche kleine Fische fing. Auf dem Heimweg fragte Lukas (3 ½ Jahre), warum uns der Mann keinen Fisch abgegeben hätte. Ich sagte, daß er sie selber bräuchte. Die Antwort genügte nicht und nach vielen weiteren hartnäckigen „Warum-Fragen“ erklärte mir Lukas, daß wir am Lagerfeuer bei St. Martin aber mit allen anderen geteilt hätten! Das Bild vom Abgeben an andere hatte sich Lukas tief eingeprägt.

Adventszeit und Weihnachtsritual:

Zur Adventszeit wird mit den größeren Kindern aus Stecken eine Krippe gebaut und mit Moos (welches in kleinen Mengen nur von bestimmten Standorten geholt wird) bedeckt und ausgelegt. Mit 24 kleinen Kieselsteinen wird der Weg zur Krippe gelegt.

Die aus Stoff und Wolle selbstgemachten Krippenfiguren, Maria und Joseph mit Esel, laufen (von einem Kind geschoben) jeden Tag einen Stein weiter – den Stein darf ein anderes Kind in die Krippe legen. Zusätzlich hängt jeden Tag ein weiteres Kind einen Strohstern in der Krippe auf.

Am 6. Dezember kommt der Nikolaus (im Bischofsgewand) mit seinem freundlichen(!) Krampus durch den Wald gestapft und wird von den Kindern zufällig entdeckt. Er hat einen großen Sack dabei, in welchem für jedes Kind ein kleines Geschenk (von uns Eltern vorbereitet) enthalten ist. Aus seinem dicken, goldenen Buch liest der Nikolaus die Namen der Kinder und ein paar schöne und lustige Eigenschaften vor - zum Beispiel, daß Julius sich so lieb um die jüngeren Kinder kümmert, Linus so toll dichtet etc. Auf diese Weise wird eine bestimmte Charaktereigenschaft oder ein Talent des jeweiligen Kindes positiv in den Vordergrund gerückt.

Die Adventszeit ist nun auch die Zeit, in der viele Geschichten erzählt werden. Es werden neue und herkömmliche Lieder gesungen und kleine Weihnachtsgeschenke (welche die Eltern erst an Heilig Abend auspacken dürfen) gebastelt. Eine dieser Basteleien sind zum Beispiel selbstgezogene Kerzen, die aus geschmolzenen Wachsresten in Blechdosen über der offenen Feuerstelle im Freien an einem Kerzendocht gezogen und an einer Leine hängend getrocknet werden.

Am 21. Dezember wird die Wintersonnenwende – und damit der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres besprochen. Im Spiel stehen sich die Kinder selbst als Tag und Nacht in zwei Reihen gegenüber und wechseln auf Zuruf jeweils die Seite. So gibt es einmal sehr viel Tag und wenig Nacht, dann eine gleiche Menge von Tag und Nacht und schließlich sehr viel Nacht und wenig Tag.

Am letzten Nachmittag im Kindergartenjahr treffen sich Eltern und Kinder zum Weihnachtsritual in einem großen Raum mit Vorraum. Bei diesem Ritual darf jedes Kind sein Apfellicht beim Gang durch eine mit Tannenzweigen ausgelegte Weihnachtsspirale entzünden und später mit nach Hause nehmen.

Beim anschließenden Beisammensitzen mit Weihnachtsgebäck findet das Kindergartenjahr seinen Ausklang.

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